Achillessehnenschmerz: Warum Belastung die Behandlung ist – nicht die Pause

Sie ist die stärkste Sehne des Körpers – und trotzdem eine der häufigsten Problemzonen von Läuferinnen, Spielsportlern und aktiven Menschen: die Achillessehne. Morgendliche Steifigkeit, Anlaufschmerz, Druckempfindlichkeit einige Zentimeter über der Ferse – das typische Bild einer Achilles-Tendinopathie. Der verbreitetste Reflex darauf: Pause machen, bis es weg ist. Die Forschung zeigt: Genau das ist meist der falsche Plan.

Was in der Sehne passiert – und warum Ruhe nicht heilt

Die Tendinopathie ist keine klassische Entzündung, sondern eine Überlastungsreaktion mit Umbauprozessen im Sehnengewebe: Die Struktur verändert sich, die Belastbarkeit sinkt. Das Problem an reiner Schonung: Sehnengewebe passt sich an das an, was von ihm verlangt wird. Wird nichts verlangt, wird es nicht belastbarer – die Beschwerden kehren beim Wiedereinstieg zuverlässig zurück.

Der wirksamste bekannte Reiz für den Sehnenumbau ist das Gegenteil von Ruhe: gezielte, schwere, langsam ausgeführte Belastung.

Die Studienlage: Krafttraining wirkt – in mehreren Varianten

Lange galt exzentrisches Training – das betonte, langsame Absenken der Ferse – als Goldstandard. Eine randomisierte kontrollierte Studie aus Kopenhagen verglich dieses klassische Protokoll mit schwerem, langsamem Krafttraining (Heavy Slow Resistance, z. B. Wadenheben mit Zusatzlast): Beide Gruppen verbesserten sich deutlich und anhaltend – in Beschwerden, Funktion und sogar in der Sehnenstruktur, ohne relevanten Unterschied zwischen den Methoden. Bemerkenswert: Die Zufriedenheit und die Trainingstreue waren beim schweren Krafttraining tendenziell höher – drei Einheiten pro Woche sind für viele alltagstauglicher als das klassische Protokoll mit zweimal täglichem Üben.

Die praktische Botschaft: Es gibt nicht das eine heilige Protokoll – entscheidend ist progressive Belastung mit ausreichender Intensität über ausreichend Zeit (Monate, nicht Wochen).

Die vielleicht beste Nachricht: Weiterlaufen ist oft erlaubt

Muss der Sport pausieren, bis die Sehne „geheilt“ ist? Eine schwedische Studie untersuchte genau das: Eine Gruppe durfte während der Reha weiter laufen und springen – gesteuert über ein Schmerz-Monitoring-Modell (Schmerz bis etwa 5 von 10 ist erlaubt, sofern er bis zum nächsten Morgen abklingt und sich das Niveau über Wochen nicht verschlechtert). Die Vergleichsgruppe pausierte sechs Wochen. Das Ergebnis: Kein Nachteil durch das Weitertrainieren – beide Gruppen verbesserten sich deutlich und gleich gut.

Für aktive Menschen ist das ein Gamechanger: Die Behandlung bedeutet nicht zwingend Verzicht, sondern gesteuerte Belastung mit klaren Regeln.

So sieht der Weg in der Praxis aus

  • Befundung: Belastbarkeitstests der Wade und Sehne im Seitenvergleich, Analyse der Belastungsgeschichte – was hat die Sehne überfordert?
  • Belastungsmanagement: nicht Stopp, sondern Anpassung – Umfang und Intensität werden so dosiert, dass die Sehne gefordert, aber nicht überfordert wird
  • Krafttraining als Kern: schweres, langsames Wadentraining, progressiv gesteigert über Monate, mit dokumentierten Kraftwerten
  • Rückkehr zu Spitzenbelastungen: Sprünge, Sprints und schnelle Richtungswechsel werden zuletzt und gezielt wieder aufgebaut

Achillessehne meldet sich?

Je länger eine Tendinopathie unbehandelt bleibt, desto zäher wird sie – ein früher, strukturierter Einstieg lohnt sich. Fuß und Sprunggelenk sind einer der sechs Schwerpunkte meiner neuen Praxis in Heinsberg (Eröffnung Februar 2027). Tragen Sie sich jetzt unverbindlich auf die Warteliste ein – wer auf der Liste steht, wird bei der Terminvergabe zuerst kontaktiert.

Kontakt: mail@physiotherapieprinz.de · 02452 9269262

Quellen

Studien recherchiert und verifiziert über PubMed:

  1. Beyer R et al. (2015): Heavy Slow Resistance Versus Eccentric Training as Treatment for Achilles Tendinopathy: A Randomized Controlled Trial. American Journal of Sports Medicine, 43(7), 1704–1711. DOI: 10.1177/0363546515584760
  2. Silbernagel KG et al. (2007): Continued sports activity, using a pain-monitoring model, during rehabilitation in patients with Achilles tendinopathy: a randomized controlled study. American Journal of Sports Medicine, 35(6), 897–906. DOI: 10.1177/0363546506298279

Stefan Prinz, Physiotherapeut – Physiotherapie Prinz, Valkenburger Straße 7, 52525 Heinsberg

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