Wenn Organe Schmerzen im Rücken oder in der Schulter verursachen

Schmerz in der rechten Schulter, der nichts mit der Schulter zu tun hat. Rückenschmerz, der eigentlich von der Niere kommt. Was zunächst verwirrend klingt, ist ein gut erforschtes physiologisches Phänomen: Innere Organe können Schmerzen verursachen, die an ganz anderer Stelle am Körper wahrgenommen werden – im Bewegungsapparat. Als Physiotherapeut halte ich es für wichtig, dass Sie dieses Phänomen kennen. Nicht, weil ich Organe behandle – sondern damit Beschwerden richtig eingeordnet werden und Sie zur richtigen Zeit an die richtige Stelle kommen.

Warum das Gehirn Organschmerz manchmal falsch verortet

Die Erklärung liegt in der Verschaltung des Nervensystems. Nervenfasern aus inneren Organen und Nervenfasern aus Haut, Muskeln und Gelenken derselben Körperregion treffen im Rückenmark auf dieselben „Sammelstellen“ – sogenannte viszero-somatisch konvergente Nervenzellen. Sie leiten Signale gebündelt an das Gehirn weiter. Da Signale aus der Körperoberfläche im Alltag weitaus häufiger vorkommen als Signale aus Organen, „interpretiert“ das Gehirn ein eintreffendes Schmerzsignal bevorzugt als von der Körperoberfläche stammend – auch wenn die tatsächliche Quelle ein Organ ist. Der Schmerz wird an die Körperregion projiziert, die über dieselbe Rückenmarksebene verschaltet ist.

Dieses Prinzip erklärt bekannte Muster, die auch in der Medizin seit Langem genutzt werden: Herzinfarkt-Schmerz, der in den linken Arm ausstrahlt. Gallenblasen-Beschwerden, die als Schmerz in der rechten Schulter auffallen. Nierenprobleme, die sich als tiefer, oft einseitiger Flankenschmerz zeigen können. Bauchspeicheldrüsen-Beschwerden, die gürtelförmig in den Rücken ausstrahlen.

Woran sich viszeraler Ursprung von Bewegungsschmerz unterscheidet

Eine hundertprozentige Unterscheidung ist nicht immer möglich – aber bestimmte Merkmale sollten aufmerksam machen:

  • Kein Zusammenhang mit Bewegung oder Belastung: Schmerz aus dem Bewegungsapparat verändert sich typischerweise mit Position, Bewegung oder Belastung. Bleibt der Schmerz davon unbeeinflusst oder folgt er stattdessen einem anderen Muster – etwa im Zusammenhang mit Mahlzeiten, Verdauung oder Atmung – ist das ein Hinweisreiz
  • Begleitsymptome außerhalb des Bewegungsapparats: Übelkeit, Fieber, Veränderungen beim Wasserlassen oder Stuhlgang, ungewollter Gewichtsverlust, Nachtschweiß
  • Untersuchung ohne Befund: Wenn eine gründliche physiotherapeutische Untersuchung – Beweglichkeit, Kraft, gezielte Provokationstests – die Beschwerden nicht reproduzieren oder erklären kann
  • Schmerzcharakter: ein tiefer, schwer lokalisierbarer, oft als „bohrend“ oder „krampfartig“ beschriebener Schmerz kann anders wirken als der meist gut lokalisierbare, bewegungsabhängige Schmerz des Bewegungsapparats

Warum das für meine Arbeit wichtig ist

Eine sorgfältige Anamnese und Befundung dient nicht nur dazu, die passende Behandlung zu finden – sie dient auch der Sicherheit. Ein zentraler Teil meiner Ausbildung und Praxis ist das sogenannte Screening: das systematische Erkennen von Warnsignalen, die auf eine Ursache außerhalb des Bewegungsapparats hindeuten. Passen Symptome nicht zum erwarteten Muster einer orthopädischen Beschwerde, gehört die konsequente Empfehlung dazu, dies ärztlich abklären zu lassen – vor oder parallel zur physiotherapeutischen Behandlung.

Das ist kein Randaspekt, sondern integraler Bestandteil einer guten Erstbefundung: Bevor ich behandle, will ich sicher sein, dass ich das Richtige behandle.

Was das nicht bedeutet

Dieser Artikel ist keine Anleitung zur Selbstdiagnose und auch kein Hinweis darauf, dass Physiotherapie Organe behandelt. Er soll ein Bewusstsein dafür schaffen, dass nicht jeder Schmerz im Rücken oder in der Schulter automatisch ein orthopädisches Problem ist – und dass eine gute Anamnese genau das mitdenkt. Bei Unsicherheit, insbesondere bei neu aufgetretenen, untypischen oder von Allgemeinsymptomen begleiteten Beschwerden, ist der erste Weg immer die ärztliche Abklärung.

Zur Sicherheit gehört die richtige Einordnung

Eine gründliche Erstbefundung berücksichtigt immer auch, ob Ihre Beschwerden zum erwarteten Muster passen. Ich unterstütze Sie mit dieser Sorgfalt in jedem der sechs Praxisschwerpunkte. Die Praxis in Heinsberg öffnet im Februar 2027. Tragen Sie sich jetzt unverbindlich auf die Warteliste ein – wer auf der Liste steht, wird bei der Terminvergabe zuerst kontaktiert.

Kontakt: mail@physiotherapieprinz.de · 02452 9269262

Quellen

Studie recherchiert und verifiziert über PubMed:

  1. Jänig W, Häbler HJ (2002): Physiologie und Pathophysiologie viszeraler Schmerzen [Physiology and pathophysiology of visceral pain]. Der Schmerz, 16(6), 429–446. DOI: 10.1007/s00482-002-0187-5

Stefan Prinz, Physiotherapeut – Physiotherapie Prinz, Valkenburger Straße 7, 52525 Heinsberg

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